Selbstverteidigungs-Training ist kein Sport

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Selbstverteidigungs-Training ist kein Sport

Zwischen Selbstverteidigungs-Training und Sporttraining gibt es einige grundlegende Unterschiede. Trotzdem geht es in den meisten Kursen und Seminaren sehr sportlich zu. Wie ist das erklärbar? Ganz einfach, viele Trainer haben einen Kampfsport-Hintergrund.

Aber ist dieses sportlich orientierte Training wirklich der effektivste Weg, um sich auf eine  Selbstverteidigungs-Situation vorzubereiten? Wird diese Art des Trainings wirklich der Realität der Gewalt gerecht? Ich finde nein.

Sehen wir uns dazu zur Einstimmung dieses Kurze Video an:

 

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Selbstverteidigungs-Fitness: 5 Minuten am BOB bringen dir mehr als 1 Stunde Joggen

Selbstverteidigungs-Training: Die Fähigkeiten für den Nahkampf

Eine allgemeine gute körperliche Fitness schadet natürlich nie, auch nicht bei der Selbstverteidigung.

Aber sportliches Selbstverteidigungs-Training fördert oft eher die Fähigkeiten, die man braucht, um vor einer Gefahr wegzulaufen, als sie erfolgreich zu bekämpfen: Aerobe Ausdauer.

Auch wenn ich die würdevolleren Ausdrücke „Rückzug“ oder „Ausweichen“ statt „Flucht“ bevorzuge, ist die Flucht natürlich eine sinnvolle Selbstschutz Strategie. Aber Flucht ist nicht Teil der Strategie Selbstverteidigung, es ist eben eine andere Strategie.

Selbstverteidigung heißt Angriff!

Selbstverteidigung heißt Angriff: Präventives Angreifen oder aktives zur Wer setzten. Wir müssen diese Dinge sauber von einander trennen, da die meisten Menschen keinen „Flucht-Kurs“ sondern einen „Selbstverteidigungs-Kurs“ buchen. Sie wollen lernen, sich zu wehren.

Selbstverteidigung heißt, die Gefahr, die von einem Aggressor ausgeht, körperlichen Mitteln auszuschalten. Deshalb ist Selbstverteidigung auch per Definition Nahkampf.  Die Frage ist also, welche körperlichen Attribute braucht man für den Nahkampf? Die Antwort ist leicht:

Für den Nahkampf braucht man:

  • Schnelligkeit
  • Kraft
  • Koordination
  • Nehmerqualitäten
  • Anaerobe Ausdauer

 

Selbstverteidigungs-Training: Ein verbreiteter Denkfehler

Aber sind das, bis auf die Ausdauer, nicht genau die gleichen Attribute, die man auch im Leistungssport braucht ? Ja und nein. Hier gilt es einen Denkfehler vermeiden.

Aufgrund der fehlenden praktische Erfahrung mit Gewalt, übersehen viele Trainer und ihre Schüler der Selbstverteidigung etwas Grundlegendes: Die Bedingungen und die Art und Weise, unter den man diese Attribute einsetzt, sind bei Wettkampf und Nahkampf völlig andere!

Sport und Selbstverteidigung unterscheiden sich durch

  • die Gewichtung der notwendigen körperlichen Fähigkeiten
  • die Bedingungen, unter denen diese Fähigkeiten eingesetzt werden

Sehen wir uns an, was das konkret bedeutet.

 

 

Selbstverteidigung-ist-kein-Sport-BedingungenWettkampf-Fitness vs. Selbstverteidigungs-Fitness

In einer realen Selbstverteidigungs-Situation gibt es kein Warmmachen, kein Dehnen und auch kein mentales oder körperliches „Einschiessen“. Die meisten realen Konflikte eskalieren (körperlich) aus dem nichts und sind so schnell vorbei wie sie begonnen haben. Selbstverteidigung heißt, ein paar Sekunden lang mit maximaler Vehemenz zu zuschlagen. Beim Boxen dauert allein die erste Runde bereits 3 Minuten.

Selbstverteidigungs-Fitness heißt:

  • Ohne Vorbereitung und innerhalb einer Sekunde kampfbereit sein
  • Maximale Schnelligkeit, Kraft und Koordination in einen (!) Angriff zu geben
  • Diesen Angriff für 5-15 Sekunden aufrecht halten können
  • Gleichzeitig den Angriff des Aggressors „einstecken“ zu können

Ein weiterer Unterschied: Der Ort, die Zeit und die Bedingungen an denen man körperliche Hochleistung bringen muss, sind unbekannt. Die ganze mentale und körperliche Kraft muss spontan mobilisiert und in nur ein paar Sekunden Angriff gelegt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Selbstverteidigungs-Situation so lange ,wie ein Wettkampf dauert. Bei einem gewalttätigen Konflikt bleibt keine Zeit zum nachzudenken und  zum vorbereiten.

Diese Selbstverteidigungs-Fitness muss unter allen

  • mentalen Bedingungen
  • körperlichen Bedingungen
  • Umgebungs-Bedingen

spontan „funktionieren“.

Selbstverteidigungs-Tipp: Selbstverteidigungs-Training heißt, sich darauf vorzubereiten, sich im Ernstfall nicht vorbereiten zu können!

Es gibt in einer Selbstverteidigungs-Situation auch keine bequeme Sportkleidung, keinen Kopfschutz, Zahnschutz oder Tiefschutz und auch keine Box- oder MMA-Handschuhe.

Die Ziele von Sport und Selbstverteidigungs-Training unterscheiden sich also grundlegend. Warum sollte man dann wie ein Sportler trainieren, wenn man Selbstverteidigung lernen möchte?Training für Sport und Selbstverteidigungs-Training sind zwei verschiedenen Welten!

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