Waffen zur Selbstverteidigung

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Waffen zur Selbstverteidigung?

Wenn es um den Einsatz von Waffen bei der Selbstverteidigung geht, wird in den meisten Medienberichten und  in den unweigerlich darauf folgenden Diskussionen, meist alles wild durcheinander gewürfelt. Der mediale Reflex besteht meist darin, das Opfer, das sich mit einer Waffe erfolgreich gegen einen Angriff auf Leib und Leben zur Wehr gesetzt hat, prinzipiell zu kriminalisieren. Meist geschieht das nach dem Motto: Warum hatte das „Opfer“ überhaupt eine Waffe bei sich?

Volkes Stimme fordert dagegen nach einem „Vorfall“  immer häufiger „Freie Schusswaffen für alle! Nach amerikanischen Vorbild!“ Dieses Vorbild existiert so übrigens gar nicht der Realität. Durch das völlig unterschiedliche Waffenrecht der verschiedenen Bundesstaaten gibt es kein „amerikanisches Vorbild“. Der wütende Ruf erfolgt trotzdem.

Eine unvoreingenommene, sachliche Diskussion wird durch diese beiden Reflexe, leider bereits im Keim erstickt. Dieser Text versucht ein wenig Klarheit in dieses emotional diskutierte Thema bringen, da immer mehr Menschen das Bedürfnis haben, sich zum Zwecke der Selbstverteidigung auf die eine oder andere Art zu bewaffnen. In wie weit und für wen das sinnvoll ist und vor allem welche Konsequenzen das mit sich bringt, darum soll es hier gehen.

Selbstverteidigung mit Waffen: Die vier Bereiche

Wenn wir das Thema „Selbstverteidigung mit Waffen“ rational betrachten wollen, müssen wir es als erstes präzise in vier getrennte Bereiche aufteilen.

  • rechtlich
  • taktisch 
  • mental 
  • technisch

Das ist deshalb notwendig, weil diese Bereiche völlig Unterschiedliche Antworten auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Selbstbewaffnung zu Verteidigungszwecken zulassen.

 

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1. Selbstverteidigung mit Waffen: Die rechtliche Seite

Ohne hier auf Detailfragen einzugehen, ist zumindest theoretisch so Einiges mehr durch „Notwehr“ gedeckt, als man erwarten würde. Unter Umständen auch der gezielte Einsatz von Waffen. Allerdings gibt es immer ein Problem, wenn es um den Einsatz von Waffen zur Selbstverteidigung geht. Sich darauf zu verlassen, dass taktisch einwandfreie Argumente von Staatsdienern automatisch als solche erkannt, verstanden oder akzeptiert werden, ist keine gute Idee.

Allerdings betrifft das auch die waffenlose Selbstverteidigung. Auch Notwehr, ohne jedes legale oder illegale „Hilfsmittel“, führt oft zu drastischen rechtlichen Folgen für das ursprüngliche „Opfer“. Das einige Urteile zur Notwehr, dem allgemeinen „Rechtsempfinden“ stark widersprechen, zeigt ein altes Problem auf.

 

 

Die Bedrohungslage, das Recht und der gesunde Menschenverstand

Ob man sich nach dem gesunden Menschenverstand im Recht wähnt, ob man völlig (bio)logisch im Sinne der Selbsterhaltung handelt, das alles bedeutet „rechtlich“ gesehen nicht allzu viel.

Ob die Rechtslage (noch) zur aktuellen Bedrohungslage passt, ist natürlich eine berechtigte Frage, die uns hier aber nicht weiter bringt. Fakt ist allerdings, dass eine veränderte Bedrohungslage das Thema „Bewaffnung zum Selbstschutz“ erst richtig aktuell gemacht hat, auch wenn diese veränderte Bedrohungslage von einigen Personengruppen heftig bestritten wird.

Wer sich schützen will, sollte als erstes seinen gesunden Menschenverstand nutzen, die rechtlichen und realen Umstände vergleichen und dann seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

 

 

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Prävention und ihre Grenzen

Prävention ist der Königsweg des Selbstschutzes. Natürlich ist auch das Tragen von Waffen auch eine Form der Prävention, aber hier ist mit Prävention das „Vermeiden von gefährlichen Situationen“ gemeint. Wer also aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen, das Tragen und den Einsatz von  Waffen (damit sind legale Waffen gemeint), ablehnt, muss um so mehr auf  „Vermeidung“ setzen.

Allerdings hat das „Vermeiden“ irgendwann seine praktischen Grenzen:

Wenn aus Vermeidung Flucht und Unterwerfung wird, ist das aus strategischer Sicht, keine Prävention von Gewalt mehr, sondern Kapitulation vor drohender Gewalt.

In so einer Lage allein auf waffenlose Selbstverteidigung zu setzen, ist eine gefährliche taktische Illusion.

 

 

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2. Selbstverteidigung mit Waffen: Die taktische Seite

Wenn es um Selbstverteidigung mit Waffen geht, ist die taktische Situation, ganz anders als bei der komplizierten,rechtlichen Situation, völlig eindeutig.

Da Aggressoren hauptsächlich nur klar unterlegene Ziele auswählen, Ziele von denen keine ernstahafte Gegenwehr zu erwarten ist, ist die Selbstverteidigung mit Waffen ist aus zwei taktischen Gründen logisch:

  • Abschreckung: Waffen können für kämpferische Gleichheit oder Überlegenheit sorgen.
  • Kampfstärke: Waffen steigern die eigene Verteidigungsfähigkeit

Sehen wir uns das einmal genauer an.

 

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Taktische Asymmetrie

Gewalt funktioniert immer am effektivsten aus einer überlegenen Position heraus. Also gegen Schwächere oder aus dem Hinterhalt.

Erfolgreiche Angreifer, gehen deshalb immer nach dem gleichen Schema vor.  Es geht immer darum, einen taktischen Nachteil für das „Ziel“ zu erzeugen, vor dem Angriff für eine taktische Asymmetrie zu sorgen. Ganz egal ob es sich bei den Angreifern  um Kriminelle bei einem Raub,  Polizisten bei einer Festnahme, oder die Kavallerie beim Sturm auf den Gegner handelt.

Taktische Asymmetrie herstellen:

  • Besser aufgestellt als das Ziel sein
  • Besser informiert als das Ziel sein
  • Besser vorbereitet als das Ziel sein

Waffenloses Selbstverteidigungs-Training kann die taktische Asymmetrie, für die Gewalttäter immer sorgen werden, nur unzureichend ausgleichen. Unbewaffnet gegen besser aufgestellte Angreifer, also gegen bewaffnete oder mehrere Angreifer vorzugehen, ist hoch riskant und nur wenig erfolgsversprechend:

Bei der Selbstverteidigung ist ein Angriff aus einer unterlegenen Postion die absolute Notlösung!

 

 

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Die taktische Realität der Selbstverteidigung

Fassen wir die taktische Realität der Selbstverteidigung noch einmal zusammen:

  • Ein Angreifer ist sehr wahrscheinlich nicht allein, wahrscheinlich präventiv bewaffnet, körperlich oder mental überlegen.
  • Es ist sehr unwahrscheinlich, einen Angriff eines überlegenen Gegners ohne Waffen erfolgreich abzuwehren oder auch nur unbeschadet zu überstehen.
  • Waffen bieten hier eine Möglichkeit, die eigene Überlebenschancen zu erhöhen.
  • Zusätzlich können Waffen (richtig eingesetzt) eine abschreckende Wirkung haben, die einen Übergriff verhindern kann.

Aus taktischer Sicht macht es also Sinn, sich zum Selbstschutz auf die eine oder andere Art zu bewaffnen. Waffen können zumindest für eine gewisse „Chancen-Gleichheit“ sorgen, auch wenn sie nie eine Garantie dafür sind.

Das alles sagt allerdings noch nichts über die sinnvolle Art der Bewaffnung aus. Pfefferspray,  Taschenlampen, Kubotans, Schreckschuss-Waffen oder Messer sind aus verteidigungstechnischer Sicht, ganz grundverschiedene Dinge. Ohne die richtigen technischen und mentalen Voraussetzungen des Anwenders, sind es nur harmlose Gegenstände.

 

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3. Selbstverteidigung mit Waffen: Die mentale Seite

Beim Thema „Waffen zum Selbstschutz“ spielt die mentale Seite eine wichtige Rolle. Dabei gibt es einige Fallstricke zu vermeiden, über die sich viele „Bewaffnete“ und „Unbewaffnete“ wahrscheinlich noch nie Gedanken gemacht haben. Dabei ist es übrigens ganz egal, ob wir über Pfefferspray, scharfe Schusswaffe oder Opa´s Spazierstock reden.

 

Selbstverteidigung_mit_Waffen_Die_mentale_Seite

Sorglosigkeit und Selbstüberschätzung

Waffen sorgen für eine mentale Entlastung. Das nur schwer erträgliche Gefühl der Hilf- und Wehrlosigkeit bei drohender Gewalt, wird durch Waffen gemildert. Es ist ein völlig normales, angeborenes Verhalten, bei drohender Gefahr zum Stock, zum Stein oder zum Stuhlbein zu greifen. Etwas zur Verteidigung „in der Hand zu haben“ beruhigt.

Kompliziert wird es erst dann, wenn der Mensch sich dazu entscheidet, Keule, Kubotan oder Elektroschocker präventiv bei sich zu tragen. Diese Form der Prävention kann nach hinten losgehen. Das unreflektierte Tragen von Waffen führt nämlich häufig zu völlig unangebrachter Sorglosigkeit. Die Folgen können dramatisch sein:

  • Vernachlässigung von „waffenlosen“ Präventions-Strategien
  • Nachlassende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit
  • Gefährliche Selbstüberschätzung.

Ohne Disziplin und Selbstkontrolle kann das Tragen einer Waffe zu riskanterem Verhalten führen, als dies unbewaffnet der Fall wäre. Eine abgelaufene Dose „Tierabwehrspray“, ganz unten in der Handtasche, ersetzt keinen Selbstschutzplan!

„Mir kann nichts passieren, ich bin bewaffnet!“ – das ist beim Selbstschutz ein grober Denkfehler.

 

 

Nachlässigkeit durch Bequemlichkeit

Man gewöhnt sich sehr schnell daran, einen Gegenstand mit sich herum zu tragen. Oft vergisst man ihn sogar, obwohl man ihn doch täglich bei sich trägt. Auch das führt oft zur Nachlässigkeit. Beim bereits erwähnten Pfefferspray wäre es ratsam, die Dose regelmäßig auszutauschen und immer am selben, leicht zugänglichen Ort am Körper zu tragen. Das ist lästig, aber notwendig.

Bei technisch komplexeren Gegenständen gilt das natürlich noch mehr. Batterien, Sauberkeit, mechanische Funktionen etc. können allein durch das tägliche Tragen oder Mitführen im Auto leiden. Es ist äußerst ärgerlich, wenn die Taschenlampe bei einem Angriff keine Blendwirkung mehr besitzt, nur weil man vergessen hat regelmäßig die Batterien zu wechseln.

Viele Waffen sind auch einfach lästig, weil sie sehr unpraktisch oder unbequem zu tragen sind. Schnell heißt es dann: „Nur mal schnell mit dem Hund raus, da wird schon nichts passieren. Ich nehme heute mal nichts mit.“ Diese Inkonsequenz durch Bequemlichkeit, kann beim Selbstschutz leicht unangenehme Folgen haben. Auch hier ist die eigene Disziplin wieder die notwendige mentale Eigenschaft.

 

Fehlende Kampfbereitschaft

Erst die Bereitschaft eine Waffe zu benutzen, macht einen Gegenstand zur Waffe: Eine Waffe, ohne einen Mensch, der bereit ist, sie einzusetzen, bleibt ein harmloser Gegenstand. Es macht keinen Sinn, etwas ständig bei sich zu tragen, ohne bereit zu sein, es auch nach seinem Zweck einzusetzen.

Waffen zu tragen, um sie im Ernstfall „nur zur Drohung einzusetzen“, ist ebenso fragwürdig. Auch hier gibt ein paar Dinge, über die man sich früh genug Gedanken machen sollte:

  • Wie geht es weiter, wenn die Drohung keine Wirkung zeigt?
  • Wie geht es weiter, wenn die Drohung die Situation eskaliert?
  • Wie geht es weiter, wenn,der Angreifer die Waffe, wegen fehlender Kampfbereitschaft in die Hände bekommt?

Vor allem muss man auch ehrlich einschätzen können, ob die eigene Drohung überhaupt glaubwürdig wirkt. In einer Extremsituation hat man es meist mit „Profis“ der Gewalt zu tun. Deshalb gehört zu einer erfolgreichen Drohung immer eine gute Portion schauspielerisches Talent, gute Mileu- und Menschenkenntnis sowie fundiertes technisches Fachwissen. Das alles muss auch unter extremen Stress, Adrenalinwirkung und Todesangst abrufbar sein.

Bei fehlender Kampfbereitschaft braucht es in einer Selbstverteidigungs-Situation schnell einen „Plan B“ – den es meistens nicht gibt.

 

Selbstverteidigung_mit_Waffen_Konsequenzen

Verkennung der Konsequenzen

Die Bereitschaft, eine Waffe im Extremfall einzusetzen, führt direkt zur Frage der Konsequenzen. Man sollte sich früh genug und mit aller Ruhe und Besonnenheit, ausgiebig Gedanken darüber machen, ob man wirklich bereit ist, diese Konsequenzen auch zu tragen. Rechtlich und Ethisch.

Am Besten tut man dies, bevor man sich leichtfertig ein Messer einsteckt. Das Messer ist die perfekte Nahkampfwaffe, leider zu perfekt. Ein Messer kann auch mit nur wenig Können und Kraft tödlich wirken. Ist man wirklich bereit, diese Konsequenzen zu tragen? Gibt es vileicht sinnvollere Alternativen?

Die Frage die sich jeder einmal stellen sollte, ist die: Unter welchen Umständen bin ich bereit, mein Leben wie und mit welchen Mitteln zu verteidigen? Letztlich ist alles eine Frage der Abwägung.

Man kann die Konsequenzen, zu denen ein Gewalt-Szenario für den Gegner aber auch für sich selbst führen kann, sehr leicht verkennen!

 

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus dem bald erscheinenden Buch.

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